Ein Zyklus der Kinderfilmuniversität Babelsberg

In den Jahren 2013 und 2014 nahmen insgesamt knapp 160 Kinder an den Veranstaltungen der Kinderfilmuniversität Babelsberg teil. Dabei sind 5 Kurzfilme produziert worden. Als besondere Dozenten waren Produzent Sönke Wortmann (2013) und Tobias Krell (2014) zu Gast.

Die Kinderfilmuniversität hat einen immer wiederkehrenden zweijährigen Zyklus. Dies wird insbesondere durch das unterschiedliche Vorlesungsangebot deutlich. Einzig die Eröffnungsveranstaltung zur Filmgeschichte findet in jedem Jahr traditionell statt. Auf diese Weise können interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer die unentgeltlichen Veranstaltungen der Kinderfilmuniversität über einen Zeitraum von zwei Jahren besuchen.

 

Filmgeschichte

Dr. Ralf Forster und Christine Handke

Die Auftaktveranstaltung der Kinderfilmuniversität besteht traditionell jedes Jahr aus dem Rückblick in die Filmgeschichte. Dr. Ralf Forster und Christine Handke, Mitarbeiter des Filmmuseums Potsdam, haben mithilfe von Exponaten und Filmbeispielen den interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern erklärt, wie der analoge Film überhaupt entstanden ist und auf welche Art er vom Publikum wahrgenommen wurde. Die Zeitreise startete mit dem Jahrmarktkino, ging über die Dokumentation bis hin zu den ersten fiktionalen (Trick-)filmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

 

Filmmusik

Als vor über 100 Jahren Filme einem interessierten Publikum vorgeführt wurden, kam sehr schnell auch eine musikalische Begleitung dazu. Ob die musikalische Untermalung zur Übertönung des lauten Filmprojektors diente oder dem Publikum im dunklen Kinosaal die Angst nehmen sollte ist bis heute nicht vollständig geklärt. Allerdings sind sich Filmhistoriker und -Musiker darin einig, dass Filmmusik zur emotionalisierenden Unterstützung eines Werkes dient. Prof. Ulrich Reuter hat den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Kinderfilmuniversität anhand unterschiedlicher Beispiele den Einsatz von Filmmusik verdeutlicht.

 

Schauspiel

Prof. Anna Barbara Kurek

Neben den handwerklichen Fähigkeiten zur Filmproduktion wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ebenfalls die Arbeit vor der Kamera detailliert näher gebracht. Prof. Anna Barbara Kurek hat gemeinsam mit Studierenden aus dem Studiengang Schauspiel diverse unterschiedliche Übungen mit den Kinderfilmuni-Studierenden durchgeführt. Dabei hat sich herausgestellt, dass sehr viele Kinder bereits im Vorfeld Interesse am Schauspielberufhatten. Wohl nicht nur aus diesem Grund wurden die praktischen Spielübungen begeistert aufgenommen.

 

Kamera

Birgit Gudjonsdottir

Beim Wort Film ist die wohl häufigste Assoziation die Kamera und damit auch der Beruf der Kamerafrau bzw. des Kameramanns. Birgit Gudjonsdottir, im Jahr 2013 zur Honorarprofessorin der Hochschule für Film und Fernsehen ernannt, hat den Kindern mithilfe von aufgebauten Kamerasystemen und vorgeführter Filmbeispiele die Arbeit dieses Kreativberufes vorgestellt. Dabei konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf einen Kameradolly setzen und wurden anschließend auf einer kurzen Schienenstrecke durch das Kino gefahren.

 

Montage

Prof. Stephan Krumbiegel

Neben der Kameraarbeit gehört der Filmschnitt bzw. die Montage zu den notwendigen Arbeitsschritten innerhalb einer Filmproduktion. Stephan Krumbiegel, Professor im Studiengang Montage, hat durch die Präsentation unterschiedlicher Zusammenschnitte von ein und demselben Filmbeispiel eindrucksvoll die Wirkung auf den Zuschauer anhand der Möglichkeiten der Montage demonstriert.

 

Die Berlinale zu Gast bei der Kinderfilmuniversität

Julia Fidel

Die Internationalen Filmfestspiele in Berlin sind seit Jahrzehnten ein anerkanntes und berühmtes Filmfestival. Innerhalb der Rubrik „Generationen“ werden internationale Kinder- und Jugendfilme einem interessierten Publikum gezeigt, die im Normalfall nicht ihren Weg in die deutsche Kinoauswertung schaffen würden. Julia Fidel, Mitarbeiterin der Generationen Sektion, war mit einigen Filmbeispielen bei der Kinderfilmuniversität zu Gast und hat den interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf diese Weise alternative Filmangebote auf dem Kinder- und Jugendfilmmarkt aufgezeigt.

 

Drehbuch

Prof. Jens Becker

Professor Jens Becker hat den teilnehmenden Kindern und Eltern erklärt, was notwendig ist, um eine spannende Geschichte zu entwickeln, die letztendlich verfilmt werden soll. Dafür müssen interessante Figuren und Charaktere erfunden werden, die spannende Geschichten erleben. Allerdings steckt hinter der Film- und Fernsehdramaturgie noch wesentlich mehr: Dabei ist von der so genannten „Akt-Struktur“ die Rede, welche bereits aus der Theaterwissenschaft bekannt ist. Mithilfe eines populären Kinderanimationsfilmes erklärte der Dramaturg Becker, auf was die interessierten Kinder achten müssen, wenn sie ein eigenes Drehbuch entwickeln möchten.

 

Animation

Prof. Frank Geßner

Die Überzeichnung von Geschichten und Figuren in Animationsfilmen ist besonders für 9-12-Jährige interessant. Professor Frank Geßner erklärte den teilnehmenden Kindern, was eigentlich der Beruf eines Animators ist. Darüber hinaus zeigte er mithilfe von Studentenanimationsfilmen, was es für unterschiedliche Techniken im Animationsfilm gibt und analysiert sie altersgerecht um demonstrieren zu können, wie aus Einzelbildern eine bewegte Geschichte wird. Am Schluss konnten die teilnehmenden Mädchen und Jungen eine eigene kleine Animationsgeschichte zeichnen und dann vor laufender Kamera den interessierten Eltern und Kindern vorspielen.

 

Kinderfilmfestivals

Renate Zylla

Renate Zylla hat bei den internationalen Filmfestspielen Berlin die Kinder und Jugendfilmsektion aufgebaut und ist seit einigen Jahren als Festival-Agentin im In- und Ausland aktiv. Sie hat am 8. März 2014 ihren Beruf vorgestellt und den teilnehmenden Kindern den Film „Ricky – normal war gestern“ (D,2014) gezeigt. Im Anschluss an die Filmvorführung hatten die TeilnehmerInnen der Kinderfilmuniversität die Möglichkeit, dem anwesenden Hauptdarsteller „Ricky“ Fragen zur Filmproduktion und zu seinem Beruf als Schauspieler zu stellen.

 

Film- und Fernsehproduktion

Prof. Martin Hagemann

Filme machen kostet in der Regel Geld. Die Akquise und Verwaltung dieser Gelder ist normalerweise die Aufgabe eines Produzenten bzw. Producers. Prof. Martin Hagemann hat den teilnehmenden Kindern und Eltern den Beruf des Film- und Fernsehproduzenten anschaulich durch Beispiele erklärt unddie nicht nur für Kinder spannende Frage erläutert, ob und wie mit Filmen Geld zu verdienen ist.

 

Sound Design

Prof. Ingo Kock

Professor Ingo Kock erklärte den Kindern eindrucksvoll mit einer umfangreichen Sound-Ausrüstung, wie wichtig der Ton beim Film ist und was es eigentlich für unterschiedliche Arten der Tonaufnahme gibt. Die TeilnehmerInnen konnten selbst einmal als TonassistentInnen tätig werden und einzelne Kinder im Auditorium mithilfe einer großen Tonangel befragen.

 

Besonderer Gäste

Sönke Wortmann

Seit dem Jahr 2010 lädt die Kinderfilmuniversität traditionell einen besonderen Gastein. Für den Durchgang im Jahr 2013 konnte der Schauspieler und Produzent Sönke Wortmann gewonnen werden. Für die jungen Studierenden war es besonders spannend, Hintergrundinformationen zu einem ihnen bekannten Fernseh- bzw. Filmprojekt zu erhalten und viele Fragen stellen zu können – selbst ihre Eltern machten von dieser Möglichkeit regen Gebrauch, so dass Filmbildung zur Familienbildung wurde. Auch bei den anderen Veranstaltungen waren die Eltern der Kinder anwesend und berichteten oft darüber, dass die Vorlesungen für sie genau so interessant und neu seien wie für die eigentliche Zielgruppe.

 

Tobias Krell alias „Checker Tobi“

Tobias Krell ist Moderator der Sendung “Checker Tobi” vom Fernsehsender KiKa und Nachfolger des in diesem Format bereits etablierten Moderators „Checker Can“. In den einzelnen Episoden der Sendung geht Tobias Krell unterschiedlichen Fragen des Alltags nach. Bei seinem Besuch der Kinderfilmuniversität zeigte er den Kindern die Episode „Der Blut-Check“, welche noch nicht zuvor im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Dabei erklärte er den Kindern ausführlich, wie eine Folge „Checker Tobi“ entsteht – von der Idee über die Vorproduktion, die Drehphase bis hin zur Veröffentlichung. Für die zahlreichen Nachfragen der Kinder bestand anschließend ausreichend Zeit.

 

Abschlussveranstaltungen und feierliche Übergabe der Teilnahmeurkunden in den Jahren 2013 und 2014

Die feierliche Abschlussveranstaltung der Kinderfilmuniversität beinhaltet die Zusammenführung aller bisher durchgeführten Angebote. Darüber hinaus präsentierte sich die Kinderredaktion mit einigen ihrer Artikel und selbstgedrehten Videos. Die in den praktischen Werkstätten der Kinderfilmuniversität erstellten Filme wurden vor den Kindern und Eltern uraufgeführt. Im Anschluss wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Werkstätten auf die Bühne gebeten. Darüber hinaus fand in in beiden Jahren die Preisverleihung zum Wettbewerb „… und Action!“ statt. Die Gewinnerbeiträge wurden den Kindern anschließend vorgeführt. Nach der Abschlussveranstaltung der Kinderfilmuniversität erhielten Kinder und Eltern die Möglichkeit, an dem Kinderfilmblock des internationalen Studentenfilmfestivals Sehsüchte teilzunehmen.

 

Praxis Werkstätten der Kinderfilmuniversität

Kinderredaktion

Zum Zusatzprogramm gehörte die Kinderredaktion, in der sich die Kinderreporter versammelten. Eine kleine Gruppe Kindern führte Interviews mit den Dozierenden der Kinderfilmuniversität, erstellte Umfragen und Fotogalerien und beschrieb in Reportagen die Vorlesungen der Kinderfilmuni aus Kindersicht. Auch für die Redaktion gab es einen Workshop zur Einführung; während der „Vorlesungszeit“ fanden darüber hinaus und im Wechsel mit den Veranstaltungen betreute Redaktionssitzungen statt.

 

Animationswerkstatt

In der Animationswerkstatt konnten Kinder unter Anleitung eines Animators einen eigenen kleinen Film erstellen. Dabei setzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr in den Vorlesungen erlerntes Wissen praktisch um. Welche Herausforderungen sich dann tatsächlich beim Filmdreh ergeben können, wurde in den unterschiedlichen Schritten der Filmerstellung deutlich. Am Ende wurde der Animationsfilm „Die Zeitmaschine“ (2013) und “Die Endzeitband” (2014) erstellt, zu dem jedes Kind seinen eigenen Teil beigetragen hat.

 

Szenografie Werkstatt

In dieser Werkstatt wurde gemeinsam mit den Kindern aus der Animationsgruppe ein Filmprojekt realisiert. Die Kinder aus der Animationsgruppe haben eine Geschichte entwickelt und die Figuren zweidimensional auf Papier gezeichnet und ausgeschnitten. Die Kinder aus der Szenografiegruppe haben den Hintergrund für den Stopptrickfilm dreidimensional modelliert. Realisiert wurde der Animationsfilm „Die Endzeitband“, der 2D und 3D Stopptricktechnik miteinander verbindet und der bereits in öffentlichem Rahmen vor Publikum anlässlich der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) in Berlin präsentiert wurde.

 

Filmwerkstatt

Im Gegensatz zur Animationswerkstatt produzierten die TeilnehmerInnen dieses Workshops unter Anleitung einen eigenen Realfilm. Dabei handelt es sich um die Kurzfilmprojekte „Der Taschendieb“ (2013) und “Gefangen in der HFF” (2014), welche von den Kindern inhaltlich geplant und technisch umgesetzt wurde. Betreut wurden die Kinder von Studierenden aus den Studiengängen „Kamera“ und „Medienwissenschaft“.

 

Montagewerkstatt

Nach Abschluss der Dreharbeiten im Rahmen der Filmwerkstatt übernahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Montagewerkstatt die Nachbearbeitung des Materials und haben letztendlich den fertigen Film zusammen geschnitten. Auf diese Weise wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Werkstätten – je nach individueller Interessenlage – in die unterschiedlichen Arbeitsschritte der Filmproduktion eingeführt und entsprechend gefördert. Die Betreuung der Animationswerkstatt wurde von Studierenden der Studiengänge „Montage“ und „Medienwissenschaft“ übernommen.

 

Wettbewerb “… und Action!”

Zusätzlich zu den Werkstattangeboten fand auch im Durchgang 2013 der Kinderfilmuniinterne Wettbewerb „… und Action!“ statt, zu dem interessierte Kinder ein Storyboard, ein Drehbuch oder einen Kurzfilm einreichen konnten.

 

Studioführung

Als Ergänzung zu der Kinderredaktion und den Werkstätten organisierte die Kinderfilmuniversität am 24. April 2014 im Rahmen einer Osterferienaktion in Zusammenarbeit mit dem Studio Babelsberg eine Studioführung über das Gelände des Filmstudios. Die teilnehmenden Kinder erhielten die einmalige und exklusive Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der großen Filmproduktion zu werfen.

 

 

Das sind die entstandenen Filme aus den Werkstätten der Kinderfilmuniversität Babelsberg (2013 und 2014):

Die Zeitmaschine (2013)

Der Taschendieb (2013)

Gefangen in der HFF (2014)

Die Endzeitband (2014)

Die Kinderfilmuniversität Babelsberg wurde in den Jahren 2013 und 2014 vom  Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Landeshauptstadt Potsdam gefördert.

 

P_Logo_HKS41BKM_Web_de

 


 

 

Kommentare sind geschlossen.